Ein Semester in Norwegen
Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich mit dem Wohnmobil quer durch Skandinavien reise, um mein drittes Mastersemester in Norwegen zu verbringen, hätte ich wahrscheinlich ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Ich bin Sophie (28) und studiere Materialwissenschaften & Werkstofftechnik an der TU Clausthal. Das ist mein Bericht über eine Zeit voller Polarlichter, Laborarbeit und neuer Freundschaften.
Fotos: privat.
Warum eigentlich Norwegen?
Den Anstoß für den Weg ins Ausland gaben das Internationale Zentrum Clausthal (IZC) und der Austausch mit anderen Studierenden. Die Motivation war klar: neue Erfahrungen sammeln, die Englischkenntnisse vertiefen und ein unbekanntes Land entdecken!
Ursprünglich stand Island ganz oben auf meiner Wunschliste. Da die TU Clausthal dort jedoch aktuell keine Partneruniversität hat, führte die Beratung durch das IZC in Richtung Norwegen oder Finnland. Letztendlich fiel die Wahl auf Trondheim, einerseits wegen der faszinierenden Natur, andererseits wegen der exzellenten Englischkenntnisse der norwegischen Bevölkerung.
Der Weg ist das Ziel: Mit dem Wohnmobil in Richtung Polarkreis
Mein Auslandssemester begann nicht am Flughafen, sondern auf der Straße. Am 28. Juli 2025 startete ich mein Abenteuer mit dem Wohnmobil. Über anderthalb Wochen erkundete ich gemeinsam mit meinem Freund den Norden, bevor ich am 7. August pünktlich zum Semesterstart in Trondheim ankam. Diese Art der Anreise ermöglichte es mir, das Land und die beeindruckende Natur bereits vor dem Unistart intensiv kennenzulernen.
Studium an der NTNU
Meine Universität, die Norwegian University of Science and Technology (NTNU), ist eine Partneruni der TU Clausthal. Ausschlaggebend für meinen Aufenthalt dort waren aber auch das breite Angebot an englischsprachigen Fächern im Bereich Materialwissenschaften und eine sehr informative Webseite für Exchange Students.
Die ersten Tage vor Ort waren geprägt von einer großen Kennlernwoche inklusive Eröffnungszeremonie und vielen Events, um andere internationale Studierende zu treffen.
Sprachbarrieren? Fehlanzeige. In Norwegen spricht fast jeder perfektes Englisch und auch die Vorlesungen im Masterbereich werden größtenteils auf Englisch gehalten. Man kommt also im Alltag und in der Uni wunderbar zurecht.
NTNU vs. TU Clausthal
Die NTNU ist mit ihren 44.000 Studierenden deutlich größer als unsere Universität der kurzen Wege. Doch beide Hochschulen verbindet ein aktives Campusleben und ihr Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Werkstoffforschung.
Beide teilen außerdem den hohen Praxisbezug im Studium. An der NTNU ist fast jedes naturwissenschaftliche Fach mit einem integrierten Labor verknüpft, sodass die Theorie sofort praktisch angewendet wird.
Wohnen und Freizeit
Die Wohnungssuche war eine Herausforderung, da ich keinen Platz im Wohnheim ergattert hatte. Ich landete in einer 4er-WG mit anderen internationalen Studentinnen auf dem privaten Markt.
In meiner Freizeit habe ich das riesige Angebot des NTNUI (dem Sportverein der Uni) genutzt. Mein absolutes Highlight waren dabei zwei Ausritte auf Islandpferden durch die atemberaubende norwegische Landschaft. Die Natur ist dort einfach allgegenwärtig, man tritt aus der Tür und ist quasi schon im Wanderparadies. Eines der beeindruckendsten Erlebnisse war das erste Erscheinen der Aurora. In Trondheim gibt es zahlreiche dunkle Orte, wie etwa die Festung Kristiansten, von denen aus sich die grünen Schleier am Nachthimmel beobachten lassen.
Mein Fazit: Was bleibt?
Am 17. Dezember ging es mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland, im Gepäck unzählige Erinnerungen. Ich vermisse jetzt schon die unglaubliche Natur. Ganz besonders fehlen mir aber die Menschen – mit ihrer herzlichen und unkomplizierten Art haben sie mein Auslandssemester unvergesslich gemacht.
Meine 3 Tipps für euch:
- Wartet nicht nur auf die Wohnheim-Zusage, sondern sucht zeitgleich privat (z.B. auf Finn.no oder Hybel). Die Plätze sind begrenzt und sehr begehrt!
- Der Sportverein NTNUI ist der perfekte Ort, um Einheimische und andere Internationals zu treffen.
- Traut euch, das Abenteuer Auslandssemester zu wagen! Auch wenn der Wunschort nicht klappt, seid offen für die Vorschläge des IZC. Norwegen war für mich die perfekte Alternative.
Ihr denkt über einen Auslandsaufenthalt nach? Über das IZC gibt es viele Möglichkeiten, während des Studiums eine Zeit an einer Partnerhochschule oder Forschungseinrichtung zu verbringen. Alle Angebote und Informationen dazu findet ihr hier: Wege ins Ausland
Ihr habt Fragen, Anregungen oder einen Themenvorschlag für einen Blogbeitrag? Dann schreibt uns eine E-Mail: blog@tu-clausthal.de