#Alumnitalk mit Amke Eggers
Amke Eggers hat Materialwissenschaft und Werkstofftechnik an der TU Clausthal studiert, im Oberharz promoviert und ist als Ingenieurin bei der Firma Sartorius Stedim Biotech in Göttingen tätig. In ihrer Freizeit reist sie leidenschaftlich gern, hat eine Ausbildung zum Dive Master in der Dominikanischen Republik absolviert und ist 2026 Deutsche Meisterin im Speed-Puzzeln im Team geworden.
Anhand ihrer außergewöhnlichen Hobbys wird schnell klar: Amke nutzt ihr Leben voll aus. „Einfach mal machen, könnte ja gut werden“, sagt sie über ihre Einstellung zum Leben – und dieses Motto zieht sich durch ihren Werdegang.
Ursprünglich kommt Amke aus Lüneburg. Über einen Tag der offenen Tür bei Aurubis in Hamburg lernte sie die TU Clausthal und den Fachbereich der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik kennen. Nach einem Besuch im Oberharz und einem Gespräch mit der Studienfachberatung stand das Wunschstudium schnell fest.
Netzwerke aufbauen – privat und beruflich
Mit ihrer Wahl für die TU Clausthal war Amke von Anfang an zufrieden. Im Bachelor und Master wählte sie die Studienrichtung Werkstofftechnik und achtete darauf, schon früh praktische Erfahrung zu sammeln. Am Institut für Polymerwerkstoffe und Kunststofftechnik (PuK) fand sie einen Nebenjob: „Ich würde immer raten, macht einen Hiwi-Job, wenn es die Zeit zulässt. Man lernt wesentlich mehr als nur allein in den Vorlesungen. Es ist von Vorteil, Probleme im Labor direkt zu erkennen. Außerdem bildet man ein erstes berufliches Netzwerk am Institut.“
Auch unter den Studierenden baute sie sich ein Netzwerk auf, setzte sich als Vorsitzende ihrer Fachschaft ein und war als Bärchenführerin aktiv. Das Miteinander und die Community vor Ort haben ihre Studienzeit besonders geprägt. „Ich mag es einfach, wenn man Dinge zusammen macht“, sagt Amke. Bis heute engagiert sie sich an der Universität. Als Mentorin im „WiMINToring für Studentinnen“ der TU Clausthal unterstützt sie Studentinnen bei der persönlichen und beruflichen Entwicklung. „Anderen die Unterstützung zurückzugeben, auf die ich mich im Studium verlassen konnte, ist mir persönlich wichtig.“
Ihr eigener beruflicher Weg führte sie nach dem Master erst einmal zur Promotion – natürlich in Clausthal. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am PuK forschte sie im Bereich Kunststofftechnik und betreute Studierende bei ihren Abschlussarbeiten. Während manche sich durch einen Doktortitel bessere Jobchancen ausrechnen, hatte Amke aber eine andere Motivation: „Meine Idee dahinter war: Weil ich es kann! Ich wollte noch an der Uni bleiben, mit Studierenden arbeiten und forschen. Wenn man erstmal in der Industrie ist, hätte ich es später nicht mehr gemacht.“
Die Erfahrungen, die sie in dieser Zeit gesammelt hat, waren für die weitere Karriere extrem wichtig. Denn, betont Amke, es gebe oft das Vorurteil, dass eine Promotion nicht als Berufserfahrung gelte. „Das stimmt nicht und dieses Image sollte man schon im Bewerbungsanschreiben widerlegen“, rät sie. „Legt den Fokus auf die Skills, die ihr euch angeeignet habt. Projektmanagement zum Beispiel habe ich im Institut neben der Forschung auch gemacht.“
„Man lebt nicht für seinen Lebenslauf“
Nach ihrer Forschungszeit am PuK nahm Amke im Anschluss eine Stelle im Clausthaler Zentrum für Materialtechnik an. Als Netzwerkmanagerin war sie verantwortlich dafür, Forschende und Industrie zusammenzubringen und bei der Projektbeantragung zu unterstützen. Auch hier gab es viele neue Fähigkeiten zu lernen: Von der Beratung zu Förderanträgen über Öffentlichkeitsarbeit und Werbung bis zu Messeauftritten.
Genau diese Abwechslung schätzt Amke sehr, sowohl im Beruf als auch privat. „Man lebt nicht für seinen Lebenslauf. Lücken interessieren später gar nicht, aber Diversität und authentisch sein, das zahlt sich aus.“ Im Studium nutzte sie daher viele Chancen für die persönliche Weiterentwicklung. Mentoring oder Workshopangebote der Universität, ein IAESTE-Praktikum (International Association for the Exchange of Students for Technical Experience) in Brasilien und ein Austauschsemester in Malaysia mit anschließendem Backpacking und weiteren Reisen um die ganze Welt.
Nach der Promotion verbrachte Amke ein halbes Jahr in der Dominikanischen Republik. Dort absolvierte sie erst einen Freiwilligendienst zum Schutz der Weltmeere und schloss danach die Ausbildung zum Dive Master an. Beides Tätigkeiten, bei denen sie Verantwortung übernommen hat. „Ich habe mir dort wichtige Soft Skills erarbeitet, zum Beispiel im Umgang mit größeren Gruppen. Das hilft enorm für die eigene Perspektive auch auf der Arbeit.“ Vor Herausforderungen hat Amke keine Scheu, wie sich auch in ihrem neuesten Hobby zeigt. Vor zwei Jahren begann sie mit Speed Puzzling. Dieses Jahr hat sie mit ihrem Team die deutsche Meisterschaft gewonnen.
Vom Ingenieurstudium zum Projektmanagement
Ihre gesammelten Erfahrungen aus Arbeitswelt und Freizeit nutzt die Ingenieurin in ihrem heutigen Beruf. Seit vier Jahren arbeitet sie bei Sartorius. Das Unternehmen ist Zulieferer für alles, was in der Biopharmazie zur Herstellung von Medikamenten gebraucht wird. Wie schon beim Studium fiel Amke auch die Entscheidung für ihren Arbeitgeber leicht. Das Berufsfeld für Kunststofftechniker im Bereich Faserverbunde habe oft einen militärischen Hintergrund. „Das habe ich für mich persönlich ausgeschlossen. Jetzt gehe ich in Richtung Medizin und kann mein Interesse daran mit der Kunststofftechnik verbinden.“
Als Expertin für Hohlfaserfilter stieg Amke zunächst als Technische Leitung für Entwicklungsprojekte in dem Unternehmen ein. Vor kurzem hat sie eine neue Stelle als Projektmanagerin angenommen. Nun kümmert sie sich um Personal, Budget- und Zeitpläne oder auch den Produktpitch. Auf den Wechsel hat sie sich lange gefreut, denn die Koordination aller beteiligten Bereiche macht ihr richtig Spaß. Das Spannendste dabei: Das laterale Management der verschiedenen Akteure. Denn obwohl Amke sie alle als Team motivieren muss, hat sie genau genommen keine Führungsposition inne. „Ich leite also nur durch Überzeugung.“
Ihr Job zeigt, wie vielfältig und weit das Berufsfeld für Absolventinnen und Absolventen aus den MINT-Studiengängen sein kann. Allein bei Sartorius gäbe es Stellen für Menschen mit den unterschiedlichsten Abschlüssen, berichtet sie. Verfahrenstechniker, Maschinenbauer oder Chemiker würden dort genauso gesucht wie Fachkräfte aus der Informatik oder Betriebswirtschaftslehre. Durch einen Jobfilter auf der Webseite sei die passende Stelle schnell zu finden.
Amkes Tipp für die Jobsuche: „In Stellenausschreibungen steht erstmal alles drin. Unabhängig davon, ob ihr alle Punkte erfüllt: Wenn es interessant klingt, dann einfach bewerben!“
Meine drei Tipps fürs Studium
- Vorlesungen, die euch schwerfallen, solltet ihr nicht aufschieben. Geht Schwierigkeiten als erstes an und habt keine Angst, Fragen zu stellen.
- Nutzt die Internationalität der Uni. Sucht euch Kontakte im Ort und sammelt Auslandserfahrungen, zum Beispiel über IAESTE-Praktika oder Austauschprogramme.
- Macht etwas, was euch vom Rest unterscheidet und vergesst vor lauter Lernen nicht, an euren Soft Skills zu arbeiten und das Studium zu genießen.
Vielen Dank an Amke Eggers!
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